Napoleonmuseum Thurgau, Basispressetext
29.03.2018, 13.926 Zeichen, 9 Bilder

Ein wahrlich kaiserlicher Landsitz

Die Geschichte von Schloss und Park Arenenberg

Hortense de Beauharnais war die Stieftochter und Schwägerin Napoleons I. und sie war auserwählt, die Linie Bonaparte und damit die kaiserliche Linie zu sichern. Doch nach Napoleons endgültiger Abdankung 1815 musste sie Frankreich verlassen.

Nach einer wilden Flucht wählte sie zunächst Konstanz als Wohnort und entdeckte von dort aus das Thurgauer Schlösschen Arenenberg, das über die Jahre zu ihrem Refugium und zur Exilresidenz werden sollte. Sie gestaltete es zu einem «geliebten Kleinod». Gekrönte Häupter gingen auf Arenenberg ebenso ein und aus wie die politische, künstlerische und intellektuelle Elite des 19. Jahrhunderts. Das Anwesen strahlt nach einer originalgetreuen Restaurierung in neuem Glanz und beherbergt heute das Napoleonmuseum Thurgau. Der weitläufige Landschaftspark mit der Arenenberger Gartenwelt gehört mit zum Anwesen und ist eine Attraktion für sich.

Ehefrau, Mutter und Königin
Königin Hortense de Beauharnais (1783–1837) gehörte zu den begehrtesten Personen ihrer Zeit. Sie war die Tochter der Kaiserin Joséphine aus deren erster Ehe mit Alexandre de Beauharnais. Kaiser Napoleon I., der zweite Ehemann ihrer Mutter, adoptierte sie und verheiratete sie mit seinem launischen, kränkelnden Bruder Louis. Um ihnen einen Titel zu geben, liess er das Königreich Holland gründen. Die Kinder des Paares sollten nach Napoleons Willen dereinst den Thron Frankreichs besteigen. Drei Söhne gebar Hortense in ihrer unglücklichen Ehe, und Napoleons Wille erfüllte sich: Ihr jüngster Sohn Louis Napoléon ging als Kaiser Napoleon III. in die Geschichte ein.

Neue Heimat im Exil
Nach Napoleons I. Niederlage bei Waterloo 1815 wurden Hortense und die gesamte Familie Bonaparte aus Frankreich vertrieben. Am Ende einer abenteuerlichen Flucht durch halb Europa fand die erschöpfte Königin zusammen mit ihrem jüngsten Sohn Asyl am Bodensee. In ihren Memoiren schreibt sie: «Die Regierung des [Schweizer] Kantons Thurgau erlaubte mir, dasselbe [Arenenberg] zu kaufen. Sie hat dadurch das Verdienst erworben, mich zur Ruhe kommen zu lassen, denn ich war auf Betreiben Frankreichs hin von allen Regierungen ausgewiesen worden».

Die ganze Welt zu Gast bei Hortense
Die Bevölkerung liebte ihre «Frau Herzogin», wie sie sich volksnah nennen liess. Hortense unterstützte Arme und Kriegsflüchtlinge, Schulen und kirchliche Einrichtungen. Dichter, Politiker, Wirtschaftsgrössen und Künstler aus aller Welt machten der Königin ihre Aufwartung: René de Chateaubriand, Alexandre Dumas, Franz Liszt, Guillaume Henri Dufour, Ignaz Heinrich von Wessenberg, Karl Friedrich Schinkel, um nur wenige zu nennen – das Gästebuch Arenenbergs liest sich wie ein «Who is who» des 19. Jahrhunderts. Alle schwärmten von der charmanten Gastgeberin, dem geschmackvoll eingerichteten Haus, dem weitläufigen Park und vom legendären Sonnenuntergang über dem Untersee, dem westlichen Teil des Bodensees, der auch heute noch die Besucher bezaubert.

Auch heute: Willkommen im Schloss
Das 1906 gegründete Napoleonmuseum Thurgau, Schloss und Park Arenenberg, ist das einzige deutschsprachige Museum zur napoleonischen Geschichte. Wie damals ist es heute wieder ein offenes, gastfreundliches Haus. «Die Besucher sollen sich wie Gäste Hortenses fühlen», erklärt Dominik Gügel, der gemeinsam mit Christina Egli das Napoleonmuseum leitet. Und tatsächlich strahlen die Räume eine wohnliche Atmosphäre aus, ganz so, als würden sie noch hier leben: die Dame des Hauses, ihr quirliger Sohn Louis Napoléon und der kleine Hofstaat. Etwa 700 originale Bände aus der kaiserlichen Sammlung stehen im Bibliotheksschrank, den die Königin auf ihrer Flucht stets mitführen liess. Unter dem ausladenden Billardleuchter, der schon die königliche Spielrunde ins rechte Licht setzte, wartet der Billardtisch.

Intime Einblicke in Salons und Gemächer
Im Speisesalon wird heutzutage zwar kein «petit déjeuner» mehr serviert, doch der mit Porzellanservice und Kristallkaraffen gedeckte Tisch wirkt mehr als einladend. In den ersten Stock, die Beletage, durften damals nur wenige Auserwählte aufsteigen. Heute stehen die Privatgemächer der königlichen Familie jedem offen. Das in seinen Originalfarben rekonstruierte und restaurierte Schlaf- und Sterbezimmer der Königin allein ist schon den Besuch auf Arenenberg wert. Zitronengelbe Damasttapisserie bespannt die Wände, Rokokoornamente und Empiremöbel zieren den Raum, der Blick durch die Fenster gleitet über den Untersee und die Insel Reichenau. Hier starb die Königin am 5. Oktober 1837 in den Armen ihres Sohnes Louis Napoléon.

Kinderprogramme mit historischen Kostümen und spannender Schatzsuche
Kinder finden heute ihr eigenes Reich in zwei Mansardenzimmer, ein Spiel- und Malzimmer lädt sie ein, selbst aktiv zu werden, und im Vorraum sind Originalspielzeuge aus dem kaiserlichen Bestand zu bewundern. Krinolinen, die dazu gehörigen Kleider und neu geschneiderte Uniformen warten auf kleine Prinzessinnen und Prinzen, die sich an Wochenenden ganz kaiserlich verkleiden wollen. Bei betreuten Abenteuertouren wiederum können sie den Park mit Karten, Helm und Taschenlampe für sich erobern und im restaurierten Gewölbekeller einen Schatz finden.

Ein königliches Arkadien
«Hortense befasste sich gern mit der Natur und fand ein wahres Vergnügen darin, den sie besuchenden Fremden die Standorte zu zeigen, von welchen aus man die schönste Aussicht genoss», schrieb ein unbekannter Zeitgenosse. Voilà, auch heute begleitet der gute Geist der botanikvernarrten Hausherrin die Gäste durch das Wegenetz des zwölf Hektar grossen Geländes. Nach den Idealen Jean-Jacques Rousseaus verwirklichte Hortense ihren «grünen» Traum. Sie schuf einen der bedeutendsten Landschaftsparks ihrer Zeit. Wasserspiele, Eremitage, Grotten, eine vom Prinzen Louis Napoléon konstruierte Brücke über der wildromantischen Schlucht, exotische Pflanzen, üppige Blumenbeete und -rabatten gestalteten einst ein königliches Arkadien. In den vergangenen Jahren wurde der Park wissenschaftlich erforscht und Stück für Stück wieder hergestellt.

Gartenzeitreise en miniature: Die Arenenberger Gartenwelt
Auf dem Arenenberg lädt seit 2016 ein Rundweg zum Spaziergang durch die Gartengeschichte ein. Die Vielfalt der Gartenanlagen präsentiert sich unter dem Namen «Arenenberger Gartenwelt». Gäste entdecken nicht nur historische Gärten, sondern lernen auch etwas über modernen Gartenbau. Bei einem Streifzug durch die Sortengärten wird praktisches Gartenwissen von der Bewirtschaftung von Gemüsefeldern bis zur Rosenveredlung vermittelt. Besucher erfahren auch, wie auf dem Arenenberg schon seit Jahrhunderten Wein angebaut wird. Im Mittelpunkt stehen jedoch die historischen Gartenanlagen: In dem vom berühmten Gartenfürst Hermann von Pückler-Muskau mitgestalteten Landschaftsgarten plätschert ein historischer Springbrunnen. Ein mittelalterlicher Patriziergarten zeigt, wie «schöner Gärtnern» im Mittelalter ausgesehen hat. Im Rahmen des Jubiläumsjahrs «200 Jahre Bonapartes auf dem Arenenberg» erblühen seit Sommer 2017 60 verschiedene Hydrangea-Sorten auf einem neu angelegten Hortensienweg in voller Pracht.

Kontakt und Adresse: Napoleonmuseum Thurgau, Schloss und Park Arenenberg, CH-8268 Salenstein, Telefon: + 41 (0)58 345 74 10, www.napoleonmuseum.ch, napoleonmuseum@tg.ch

 

 

SERVICE

Öffnungszeiten

Sommer: 2.4. bis 21.10.2018: Mo bis So 10-17 Uhr
Winter: 22..10.2018 bis 1.4.2019: Di bis So 10-17 Uhr

Das Museum ist an allen Feiertagen regulär geöffnet. Vom 24. Dezember 2018 bis 04. Februar 2019 ist es geschlossen.

Es wird empfohlen, spätestens um 16.00 Uhr mit der Besichtigung des Museums zu beginnen.

 

Eintrittspreise (Schloss, Sonderausstellung, kaiserliches Bad und Park)

Erwachsene 12 CHF, Studenten und Gruppen ab 10 Personen 10 CHF, Kinder und Jugendliche (6-16 Jahren) 5 CHF, Familien (2 Erwachsene und 2 Kinder) 26 CHF. Euroumrechnung nach Tageskurs.

Jahreskarte für den Arenenberg: Die Jahreskarte gilt ab dem Datum des Kaufes für ein ganzes Jahr und berechtigt zu beliebig vielen Besuchen. Der Kaufpreis von 35 CHF lohnt sich bereits ab dem dritten Besuch.

Öffentliche Führungen:
Museumsführungen: jeden Sonntag, 14 Uhr (März-November)
Themenführungen: am 2. Samstag jeden Monats, 15 Uhr (März-November)

Führungen für Kinder: Kostüm-Führungen: jeden 1. Sonntag im Monat, 13.30 Uhr (März-November) / Park-Führungen: jeden 3. Sonntag im Monat, 13.30 Uhr (April-September). Voranmeldung erforderlich.

 

Höhepunkte 2018

1. Mai – 11. Nov.   
Sonderausstellung «Wir waren auch dabei. Männer aus der Schweiz und das Konstanzer Regiment Nr. 114 im Krieg 1914-1918»

3. Juni                        
Arenenberger Tag mit Cheese-Festival und Ermatinger Buuremarkt

15. Juni                      
Serenadenkonzert der Stiftung Napoleon III. im Schloss

8. Sept.                      
Lange Nacht der Bodenseegärten

9. Sept.                      
Kaiserlicher Gartentag

24. Nov. – 23. Dez.   
«Noêl, Noêl»: Französische Weihnachten auf Schloss Arenenberg

 

Sonderausstellung:

«Wir waren auch dabei. Männer aus der Schweiz und das Konstanzer Regiment Nr. 114 im Krieg 1914-1918» // 1. Mai bis 11. November 2018
100 Jahre nach dem Ende des „Grossen Krieges“ widmet sich die Sonderausstellung des Napoleonmuseum Thurgau einem vergessenen Kapitel der Geschichte: den Kriegserlebnissen der Männer aus der Schweiz, die zwischen 1914 und 1918 auf deutscher Seite kämpften. Als Beispiel dienen die Soldaten des früher in Konstanz stationierten 6. Badischen Infanterie Regiments – ihr Leben und ihr Sterben während der vier Kriegsjahre. Die Ausstellung greift auf grösstenteils unveröffentlichte Erinnerungen, Briefe, Zeichnungen und vor allem mehrere Tausend Fotos zurück, die aus Privatbesitz in den vergangenen Jahren zusammentragen wurden. Dabei wandert der Blick immer wieder über den „Grabenrand“ hinaus auf die Seite der Gegner und zeigt, mit wieviel Respekt und Verständnis sich die Männer begegneten.

 

«Noêl, Noêl»: Arenenberger Schlossweihnacht // 24. November – 23. Dezember 2018
Im Advent sind im Schloss traditionell Ausstellungen zu historischen Weihnachtstraditionen und -bräuchen in verschiedenen Ländern zu sehen. Ab dem 24. November 2018 steht die eigens für das Museum gebaute Hauskrippe im Mittelpunkt. Bestückt wird sie mit kleinen, handgemachten Heiligenfiguren aus Südfrankreich, so genannten «Santons». Dazu gibt es im Advent sonntägliche Kutschfahrten rund ums Schloss.

 

Hintergrundinformationen:


Napoleonmuseum Thurgau, Schloss & Park Arenenberg
Schloss und Park Arenenberg mit dem 1906 gegründeten Napoleonmuseum ist das einzige deutschsprachige Museum zur napoleonischen Geschichte. Sein Forschungsgebiet reicht von der französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg. Zu diesem Zweck unterhält das Haus wertvolle Sammlungen verschiedener Genres sowie ein umfangreiches Archiv. Seine ca. 25'000 Bände umfassende Forschungsbibliothek wird laufend erweitert. Seit einigen Jahren unterzieht sich das Napoleonmuseum Thurgau einem Wandel. Zusätzliche Räume des ehemaligen Schlossguts Arenenberg erlauben es, aus dem bestehenden Haus ein modernes Institut zur Erforschung, Bewahrung und Präsentation der napoleonischen Geschichte zu entwickeln. Die Sammlung umfasst weltweit begehrte Ausstellungsstücke, wie eine grosse Napoleonschau in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland gezeigt hat.

Mit jährlich rund 30'000 Besuchern zählt das Museum darüber hinaus zu den Anziehungspunkten des Bodenseegebietes. Regelmässige Sonderausstellungen beschäftigen sich mit Facetten der napoleonischen Geschichte am Bodensee. Der umliegende Landschaftspark ist frei zugänglich. In der «Arenenberger Gartenwelt» können Besucher eine Gartenzeitreise en miniature erleben. Der Museumsshop bietet neben Napoleonika auch regional- und landestypische Produkte an. Ein weiterer Besuchermagnet sind die betreuten Kinderprogramme und die Schloss- bzw. Parkführungen.

Aufgrund seiner Lage am internationalen Bodensee und seiner Geschichte versteht sich das Napoleonmuseum Thurgau als Mittler zwischen den Staaten. Frankreich, die Schweiz, Deutschland, Italien, England, Polen, die USA: Es gibt praktisch kein Land zu dem die Familie Bonaparte von Schloss Arenenberg aus nicht in Verbindung stand. Dieser Tradition folgend, unterhält das Napoleonmuseum umfangreiche internationale Kontakte.


Nutzungsbedingungen

Aus dem Nebel empor...

...hebt sich Schloss Arenenberg
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Alles gestreift

Früher wurden die Räume des Schlosses durch ein blau-weiss gestreiftes Vorzelt betreten. Eine Dekoration, die im Innern aufgegriffen wurde.
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Königliches Schlafgemach

Königin Hortense fand unter der blau-weiss gestreiften Zeltdecke einst ihren wohlverdienten Schlaf.
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Auf Napoleons Spuren

Ob als Büste oder auf Gemälden, der Kaiser ist in den Räumen des Museums allgegenwärtig.
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Alte Bücher, faszinierende Geschichten

Als hätte Louis Napoleon die Bücher grade erst aus der Hand gelegt...
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Von Etage zu Etage

Die Wendeltreppe im gotischen Stil zeugt von kaiserlicher Eleganz.
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Der Arenenberger Patriziergarten

Der Garten hat den Zuschnitt eines klassischen mittelalterlichen Lustgartens.
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Mittelalterlicher Lustgarten

Die Fläche des Patriziergarten liegt bei rund 300 Quadratmetern, seine Wege führen vorbei an Rasenbänken, einem Brunnen und ungezählten Duft- bzw. Nutzpflanzen.
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Bibliothek des Napoleonschlosses

Die Bibliothek war zu Zeiten von Hortense de Beauharnais ein beliebter Ort des Austauschs unter den Gästen des Arenenbergs.
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