Zwei Thurgauer Gartenwelten in einem Buch: Vielfach verbunden und doch verschieden
Das neue Buch «Schlossgut Arenenberg und Villa Lilienberg» verbindet die beiden benachbarten, hoch über dem westlichen Bodensee liegenden Anwesen zu einem gemeinsamen Parkerlebnis. Es bietet eine Fülle detaillierter Informationen zu Geschichte, historischen Parkinstallationen und jahrhundertealten Bäumen. Das Schlossgut Arenenberg und das benachbarte Unternehmerforum Lilienberg liegen rund zehn Kilometer rheinabwärts von Konstanz bzw. Kreuzlingen im Kanton Thurgau. Autor ist Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums Arenenberg.
Die Park- und Gartenbauer des 19. Jahrhunderts schufen Sichtachsen, die die umgebende Landschaft zu einem selbstverständlichen Teil der eigenen Anlage machten. So integrierten die Parks am westlichen Bodensee die weiten Blicke übers Wasser in ihre Garteninszenierung und verstanden benachbarte Parks als optische Erweiterung des eigenen. Auf dem Arenenberg und dem Lilienberg zeigt sich das bis heute. Die beiden Gartenlandschaften gleiten regelrecht ineinander über. Folgerichtig haben das Napoleonmuseum Arenenberg und die Stiftung Lilienberg Unternehmerforum einen gemeinsamen Parkführer herausgegeben, der die beiden Anlagen mit ihren vielfältigen, auch historischen Bezügen zu einem Rundgang vereint.
Auf dem Arenenberg fing alles an
Der Arenenberger Park bildete in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Ausgangspunkt für eine zunächst am westlichen Bodensee und später in der ganzen Region einsetzende Entwicklung zur Gestaltung der Landschaft. Ringsherum entstanden nach seinem Vorbild grössere und kleinere herrschaftliche Parkanlagen, die zum Teil noch heute bestehen. Eines der sehenswertesten Beispiele ist der Park des Unternehmerforums Lilienberg, nur wenige hundert Meter östlich des Arenenbergs gelegen und in vielfacher Hinsicht eng mit diesem verbunden.
Lilienberg als zeitgenössisches Pendant
Der Lilienberg beeindruckt durch seine grossen, teilweise mehr als 200 Jahre alten Bäume und den gepflegten Garten rund um die historische Villa Lilienberg. Er bildet das zeitgenössische Pendant zum Arenenberg und verbindet auf besondere Weise Vergangenheit und Gegenwart der Landschaftsgestaltung am westlichen Bodensee. Interessant sind die historischen Verbindungen zwischen den Gartenanlagen. Sie beginnen spätestens im Oktober 1837 und enden ca. 1905 mit dem Tod von Josef Stanislaus Kodym, dem gemeinsamen Obergärtner beider Anlagen.
Geschichtliches und Rundgangführer
Den Einstieg des Buchs bildet eine reich bebilderte Darstellung der Geschichte beider Landsitze von der Antike bis heute. Der anschliessende Rundgangführer startet beim Schloss auf dem Arenenberg und führt durch den erst in den letzten 20 Jahren wiederhergestellten Landschaftspark – unter anderem mit Pleasureground, Grosser Promenade, Tunnelgrotte, Eremitage, Serpentine und Höllenschlucht. Von dort aus geht es über die «Ornamental Farm», also die landwirtschaftlich genutzten Arenenberger Flächen zum Lilienberg. Hier erwartet Besucher eine fünf Hektar grosse Gartenanlage mit spektakulären Blicken auf den See, weiten Rasenflächen, reich bepflanzten Staudenbeeten, alten Baumriesen und modernen Skulpturen wie dem «Wanderer» von Hermann Haller oder der Gruppe «Nachdenkend» von Ernst Ghenzi. Die in die Anlage integrierten Bauwerke rund um die grazile historische Villa Lilienberg entstammen zu einem grossen Teil der Architekturschmiede von Rudolf und Esther Guyer, die zu den bedeutendsten Vertretern der Schweizer Architektur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählen. Seit den 1980er Jahren gehört der Lilienberg zur Stiftung Lilienberg Unternehmerforum, gegründet vom Unternehmer und Erfinder Walter Reist und seiner Frau Lotti Reist.
Der neue Park- und Gartenführer ist im renommierten Kunstverlag Josef Fink erschienen. Autor Dominik Gügel ist Historiker und Direktor des Napoleonmuseums Arenenberg. Er gilt als ausgewiesener Experte für die napoleonische Epoche und für Gartengeschichte und veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.
Weitere Informationen:
https://napoleonmuseum.tg.ch und https://www.lilienberg.ch
SERVICETEIL
Bibliografische Angaben
Dominik Gügel, Schlossgut Arenenberg und Villa Lilienberg – Park- und Gartenführer, 104 Seiten, 100 Abb., Format 13,6 x 19 cm, 1. Auflage 2026.
ISBN 978-3-95976-598-5
Fakten zum Arenenberg
Erbauungszeit: ab 1817 (mit älteren Spuren)
Grösse: ca. 11 Hektar (innen), ca. 24 Hektar (aussen)
Bekannte Gartengestalter: Hortense de Beauharnais und Louis-Martin Berthault (um 1817), Louis Napoléon Bonaparte (Napoleon III.) und Hermann von Pückler-Muskau (um 1834), Josef Stanislaus Kodym (um 1860), Fredy Klauser (ca. ab 1965), Büro Staufer & Hasler und Martin Klauser (zwischen 2004 und 2024), Moos Giuliani Herrmann Architekten und Markus Cukrowicz (ab 2026)
Wesentliche Merkmale: Die Anlage enthält Spuren aus dem Spätmittelalter, der Renaissance und dem 18. Jahrhundert. Zentrales Element ist der ab 1817 in mehreren Phasen entstandene Landschaftspark. Er ist geprägt von einem verschlungenen Wegesystem, Wasserspielen und zahlreichen Einbauten. Besonders sehenswert sind zum Beispiel die Höllenschlucht, Himmelsleiter, Prinzenbrücke, Grosse Fontaine und die Baumdenkmäler. Sie erinnern an Aufenthaltsorte und wichtige Ereignisse der Familie Bonaparte. Ganzjährig für die Öffentlichkeit zugänglich. Besuch auf eigene Gefahr. Unternehmen heute: Das Schlossgut Arenenberg gehört dem Kanton Thurgau und ist ein Teil der öffentlichen Verwaltung (Departement/Ministerium für Inneres und Volkswirtschaft).
Der Arenenberg heute: Als Kultur-, Seminar- und Bildungsort umfasst der Arenenberg das Napoleonmuseum mit den historischen Parkanlagen und Forschungseinrichtungen sowie das Bildungs- und Beratungszentrum (Berufsfachschulen für Landwirtschaft und Musikinstrumentenbau, landwirtschaftliche Beratungsdienste). Weitere Standbeine sind das biozertifizierte Weingut sowie die Hotellerie und Gastronomie. Letztere haben sich der Slow-Food-Philosophie verschrieben.
Die Felder, Gärten und Ställe des Schlossguts stehen Besucherinnen und Besuchern offen. Der klimafreundliche Milchviehstall, ein mobiler Hühnerstall sowie das Bienenhaus ergänzen die Gartenkultur auf Arenenberg.
www.napoleonmuseum.ch, Telefon: +41 58 345 74 10
Fakten zum Lilienberg
Erbauungszeit: ab 1837
Grösse: 5 Hektar
Bekannte Gartengestalter: Josef Stanislaus Kodym (um 1860), Fredy Klauser (zwischen 1951 und 1988)
Wesentliche Merkmale: Die Anlage geht aus einem landwirtschaftlichen Anwesen hervor, das hauptsächlich von Reben geprägt wurde und dessen Spuren ins späte Mittelalter zurückreichen. Heute beeindruckt der Park seine Besucherinnen und Besucher durch seine grossen, teilweise mehr als 200 Jahre alten Bäume sowie durch seine gepflegte Gartenanlage. Der Lilienberg bildet das zeitgenössische Pendant zum Arenenberg und verbindet auf traumhafte Weise Gegenwart und Vergangenheit der Landschaftsgestaltung am westlichen Bodensee. Ganzjährig für die Öffentlichkeit zugänglich; abends geschlossen. Besuch auf eigene Gefahr.
Der Lilienberg heute: Der Lilienberg ist im Besitz der Stiftung Lilienberg Unternehmerforum, die von Dr. h. c. Walter und Lotti Reist gegründet wurde. Er versteht sich als ein Ort für internationalen Dialog, visionäre Ideen und kulturelle Begegnungen. Verankert in einer idyllischen Landschaft und getragen von einer weitblickenden Vision ist der Lilienberg ein besonderer Treffpunkt mit einem klaren Bekenntnis zu Nachhaltigkeit, Gastfreundschaft und Bildung. Im Restaurant und auf der einladenden Seeterrasse werden die Gäste mit modernen Gerichten aus der regional inspirierten Küche verwöhnt. Regelmässig lädt die Stiftung Lilienberg Unternehmerforum zu Gesprächen über aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und vielfältigen musikalischen Anlässen mit jungen engagierten Musikern. Ein idealer Rahmen für Austausch und Inspiration!